Dieser Artikel ist bei uns eingegangen und bespricht ein sehr persönliches Thema. Auf Wunsch der Person veröffentlichen wir ihn daher anonym. (TW: Krankheit)

 

Meine Gedanken, meine Angst

Ich sitze hier und denke über Veränderung nach. Das gefällt mir gar nicht. Wenn sich an einem normalen Tag der Gedanke an Veränderung in meinen Kopf schleicht, schiebe ich ihn meist so schnell wie möglich weg. Nur nicht dran denken. Veränderung macht mir Angst.

Klar, bei Veränderung kann es auch um die kleinen Dinge gehen, wie einen neuen Haarschnitt, den Jahreszeitenwechsel oder ein neues Parfüm.

Aber es geht eben auch um die großen Dinge. Die verdammt großen, riesigen Monster-Dinge, die einfach nur richtig Angst machen.

 

Real Talk. Wenn ich an Veränderung denke, denke ich daran, dass meine Eltern älter werden und irgendwann kaum noch sie selbst sein werden. Ich denke daran, wie viele Freunde ich in der Zukunft verlieren werde, weil wir uns aus den Augen verlieren. Ich denke an Beerdigungen und Schicksalsschläge. Kurzum, ich würde das Thema gerne wieder in den hintersten dunkelsten Winkel meines Bewusstseins verschieben.

Trotzdem sitze ich hier und denke über Veränderung nach. Warum? Weil sich in meinem Leben gerade alle möglichen Veränderungen die Klinke in die Hand geben. Ausgesprochen positive Veränderungen. (Zumindest bis jetzt.) Aber schon schleicht sich da wieder die Angst an, ganz leise, von hinten, kommt sie mit Tippelschritten immer näher, um sich im richtigen Moment auf mich zu stürzen. Was wenn etwas schief geht? Was wenn eine dieser Veränderungen eine negative Konsequenz hat?

Und noch immer sitze ich hier und denke über Veränderung nach. Jetzt aber anders. Ich bin trotzig geworden. Reicht es nicht, wenn ich mich einfach auf jeden einzelnen Tag konzentriere? Die Veränderung wird schon irgendwann kommen. Darauf habe ich keinen Einfluss.

 

Jetzt mal ehrlich: Hier um den heißen Brei reden bringt ja gar nichts. Ich habe eine Krankheit. Eine schmerzhafte Krankheit, die sich nur mit einigen OPs nachhaltig heilen lässt. Es ist nichts Schlimmes, nichts Tödliches, aber etwas unglaublich schmerzhaftes. Diese Krankheit heißt Lipödem. In meinem Körper hat sich neben den normalen Fettzellen krankes Fett gebildet. Und lange Rede kurzer Sinn, die schmerzen. Das hat etwas mit Entzündungsprozessen im Körper zu tun.

 

Diese OPs werden nicht von der Krankenkasse gezahlt. Und hier kommt das Ganze mit der Veränderung ins Spiel.

 

Mache ich die OPs, muss ich einen Kredit aufnehmen. Ich verschulde mich also, kann dafür aber mein Studium gut abschließen, nebenbei arbeiten und habe wahrscheinlich nie wieder Schmerzen. Was aber wenn die OPs nicht gut verlaufen? Wenn der Chirurg einen Fehler macht?

Mache ich die OPs dagegen nicht, liegt meine Zukunft komplett im Dunkeln. Schaffe ich es trotz Schmerzen mein Studium zu beenden? Kann ich nebenbei arbeiten? Behalte ich meine Freunde, wenn ich kaum noch aus dem Haus komme, weil die Schmerzen mal wieder zu stark sind?

Egal was ich mache, die Veränderung wird kommen. Und sie macht mir Angst. Die Frage ist nur, welche Seite mir weniger Angst macht. Aber bis dahin werde ich trotzig bleiben und mich auf jeden einzelnen Tag konzentrieren. Punkt.

Anonym

 

Wir stehen mit der Person in Kontakt. Ihr geht es gut und sie hat Personen um sich, die sich um sie sorgen. 

Wir wünschen dir, liebe*r Autor*in, alles Gute, viel Kraft und Besonnenheit, um diese Entscheidung zu treffen. Danke, dass du diese Erfahrung mit uns teilst. 

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