oder – Wie ich mitten im Nirgendwo eine neue Heimat gefunden habe

 

Eigentlich sollte dieser TschäkBlog Artikel ganz anders aussehen. Wie schon bei den vergangenen Ausgaben unseres Blogs sollte hier noch einmal zusammengefasst, was in den letzten Tagen gepostet wurde, ein kleines Resümee gezogen und zur Mitarbeit im TschäkBlog-Team aufgerufen werden. Das hat aber gerade in meinem Kopf keinen Platz. Ich möchte euch eines der eindrucksvollsten Erlebnisse teilen, die ich bisher in meinem Leben gehabt habe.

Cosa è successo, Lukas?

Ich habe Urlaub in Italien gemacht. Eigentlich ganz üblich. Mit meinen zwei besten Freunden (Carsten und Luca, vielleicht kennt ihr sie) haben wir das Auto beladen und sind Richtung Lucca in der Toskana gefahren. Dort habe ich schon vor zwei Monaten ein kleines Häuschen in den Bergen gebucht. Weit abgeschieden von allem, was uns in dieser Zeit stressen könnte. Der Hinweg war (abgesehen von Gewitter und Unwettern in Österreich) völlig Ereignislos.

An unserem Ziel angekommen wurden wir aber überrascht. Dort war noch viel mehr! Das kleine abgeschiedene Häuschen im Kastanienwald, zu dem keine Menschenseele jemals gefunden hätte war umgeben von vielen Zelten, selbstgebauten Häusern, einer freistehenden Küche, Ziegen, Hühnern, Eseln, Gitarrenmusik, einem selbst angelegten Garten und vor allem – fremden Menschen. Das kleine abgeschiedenen Häuschen im Kastanienwald entpuppte sich als Teil von “wild camping paladini”, einer Art Kommune, in der Menschen aus aller Welt für eine Zeit lang leben und gemeinsam arbeiten. Dort waren Menschen aus Irland, Spanien, Deutschland, der Türkei und jene, die seit langer Zeit umherziehen und sich treiben lassen. Gemeinsam wird Abends gegessen, gesungen und Geschichten ausgetauscht. Man lernt Wörter aus unbekannten Sprachen, tauscht sich aus, erzählt von sich, kann sich international begegnen, den ein oder anderen Wein trinken und Spaß haben.

 

Schnitt!

 

Dann wachte ich auf. Ich saß an einem Lagerfeuer auf einem alten Autoreifen in einem selbstgebauten Pavillon – umgeben von Menschen, die gemeinsam “Space Oddity” von David Bowie sangen. Alles um mich herum war nur durch die Flammen und eine kleine Lichterkette beleuchtet. Alles war irgendwie surreal, nicht von dieser Welt und ich hatte ein Gefühl, das ich nicht einordnen konnte. Da begriff ich es – so fühlt sich Heimat an. Wohlig, warm, mit Menschen, die man mag, einfach richtig.

Auf diesem kleinen Platz, inmitten von italienischen Wäldern, habe ich einen Ort gefunden, der mich ein kleines Stück repariert hat. Ein Ort, der mir ein kleines bisschen meines Herzens zurück gegeben hat, das in den letzten eineinhalb Jahren verloren gegangen ist. Ein Ort, bevölkert durch Menschen, die ich noch nie getroffen habe aber mir sofort wie Familie vorkamen. Ein Ort der Herzlichkeit, des Spaßes, des Abenteuers aber auch der Ruhe.

Ich weiß nicht ganz genau, wie ich den Bogen zum letzten TschäkBlog Artikel herstellen soll. Auch ist mir unklar, warum ich dir unbedingt davon erzählen möchte. Vielleicht ist es meine Art, das Erlebte zu verarbeiten, damit die Sehnsucht nach diesem Ort (man könnte fast “Heimweh” sagen) nicht allzu groß wird.

Eins steht jedoch fest: Innerhalb von wenigen Tagen kann ein dir unbekannter Ort zu deinem persönlichen Refugium werden. Du musst dich dazu gar nicht auf die Suche machen. Vielleicht überrascht dich auch irgendwann einmal eine neue Heimat, wo du sie gar nicht vermutet hast.

Liebe Grüße

Euer Lukas

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