Kennst du das, wenn du eine wichtige Prüfung hast, auf die du dich dringend vorbereiten solltest, aber stattdessen tust du alles andere, nur nicht lernen? Du beginnst die Ordner und Dateien auf deinem PC zu sortieren, räumst deinen Schreibtisch auf, oder machst den Abwasch? Eigentlich wolltest du doch lernen. Ist doch vollkommen unnötig jetzt das Bücherregal neu zu sortieren, oder die Birne auszutauschen, die seit letzter Woche kaputt ist!

Alle diese Handlungen sind in dem Moment Teil einer Vermeidungsstrategie. Du musst etwas tun, was dir Sorgen bereitet, und wovor du vielleicht sogar Angst hast, also schiebst du es weg, und tust etwas anderes. Etwas, das sicherlich auch wichtig ist, aber gerade eben nicht zentral. Ich kenne das gut. Ich habe heute auch schon meinen Tschäkblog-Ordner mit neuen Unterordnern versehen, und die Dateien so benannt, dass es einfacher ist sich zurechtzufinden. Eigentlich hätte ich aber diesen Artikel hier schreiben sollen.

Wieso ist es so schwer anzufangen? Was steht im Weg? Warum mache ich all diese anderen Dinge? Was bringt mir das?

 

Journaling, oder: Sich selbst antworten und klarer denken können

Eine gute Möglichkeit, um deine Blockade zu überwinden und anfangen zu können, ist das Journaling. Ein Journal kann ganz unterschiedlich aussehen. Es ist kein Tagebuch, in dem du einfach deine Erlebnisse festhältst. Besser: es ist ein Ort, an dem du Fragen stellen kannst, ähnlich so, wie meine Fragen weiter oben. Das geht im Vorhinein oder auch nach einem Erlebnis, das dich beschäftigt. Wieso, zum Beispiel, lernst du nicht auf deinen Test?

Ich lerne nicht auf meinen Test, weil …
… ich doch so oder so schlecht sein werde
… ich nicht unnötig viel Zeit investieren möchte, um am Ende enttäuscht zu sein
… ich bestimmt wieder eine Aufgabe erwische, in der nur Stoff drankommt, den ich nicht gelernt habe
das Fach sowieso unnötig ist, ganz ehrlich
… sich das Lernen wie eine Folter anfühlt, obwohl das Thema an sich eigentlich ganz spannend sein könnte
… ich zwar gut sein will, ich aber Angst habe, nicht meinen höheren Erwartungen zu entsprechen, wenn ich mich bemühe
… ich das auch einfach gar nicht kann, ich hab da kein Talent für, das wird einfach nichts, egal wie sehr ich mich bemühe

Wichtig ist, dass du siehst, was dich blockiert und es festhältst, sodass es nicht wieder ein stiller, aber ständig präsenter Gedanke in deinem Hinterkopf wird. Sobald du weißt, was dich hemmt, kannst du nach einer Lösung suchen. Bei meinen Antworten weiter oben sehe ich zum Beispiel, dass ich wohl einige meiner Erwartungen aufgeben muss. Ich muss mir eingestehen, dass ich nicht plötzlich perfekt sein muss, nur weil ich einmal auf einen Test lerne und dass ich trotzdem Fehler machen werde, es aber besser ist es zu versuchen, als schon von Vornherein aufzugeben. Und ich muss mir eingestehen, dass ich kein Vollversager bin, der das nie kapieren wird, denn ich weiß, dass diese Einstellung mich nur demotivieren wird, bis zu dem Punkt, an dem ich gar nicht mehr versuche zu verstehen, und einfach nur noch auswendiglerne, was dann dazu führt, dass ich es nicht kann, und meine Fehler im Test mir beweisen, dass Lernen nichts bringt.

Das ist natürlich nur ein Beispiel, bei dir kann das ganz anders aussehen. Wichtig ist, dass du dir klarwirst, was dich blockiert. Dieses Aufbrechen der mentalen Blockaden nennt sich mentale Entrümpelung (Englisch: mental decluttering). Das Konzept auf dem es basiert, kommt aus dem Minimalismus und zielt darauf ab, Dinge loszuwerden, die man nicht braucht und die einen eher hindern als einem helfen. Beim Minimalismus geht es dabei in der Regel um Gegenstände. Da muss dann vielleicht das Lego dran glauben, das du seit Jahren aufhebst, um es mal endlich aufzubauen, irgendwann, wenn du mal den Platz hast. Oder es gehen die Hanteln, die du dir gekauft hast, um fit zu bleiben, aber nicht einmal benutzt hast. Oder, du sortierst eben doch mal die Sockenschublade neu und heftest deine Bankdokumente sauber ab.

 

Decluttering, oder: Sein Zimmer in Ordnung bringen und klarer denken können

Mein Schreibtisch ist notorisch unordentlich. Immer liegen Zettel verschiedenster Art herum. Manche stellen sich als Einkaufszettel heraus, andere als Notizen vom Unikurs, irgendwelche Dokumente, die ich sortieren wollte, oder als ein Zettel, auf den ich Koordinaten von Orten am Minecraft-Server geschrieben habe, ohne zu beschriften, was dort jeweils sein soll. Alle paar Monate mal komme ich auf die Idee das Chaos zu bändigen und so sehr ich mir vor dem Aufräumen und Aussortieren noch gesagt habe, dass ja trotz der Unordnung alles seinen Platz hatte, fühle ich mich danach besser.

Decluttering, also das tatsächliche Entrümpeln des eigenen Schreibtisches, Zimmers oder Hauses, funktioniert ganz ähnlich wie das mentale Entrümpeln, dass man durch Journaling erreichen kann, nur, dass man dabei eben anfassbare Gegenstände ausmistet. Der Effekt bleibt aber gleich. Viele der Sachen, die du einfach irgendwo hingelegt hast, liegen dort, um sie zu vergessen, sie auszublenden, wie die Gedanken, die dir sagen, dass du auf deinen Test lernen sollst. Und wenn du diese Dinge dann endlich ordentlich verräumst oder gleich wegwirfst (oder verkaufst, oder spendest), wird es dir auch besser gehen.

Denn unser Gehirn ist auf Problemlösung getrimmt. Wenn du das kleine Problem des unordentlichen Schreibtischs, der dreckigen Teller in der Spüle, oder des unsortierten Regals löst, dann ist das auch ein kleiner Erfolg, der deinem Gehirn zeigt, dass es eben doch geht. Außerdem ist jede dieser kleinen Aufgaben mit mentalen Blockaden versehen, die einfacher zu lösen sind als die Ängste, die sich vielleicht um deine größere Aufgabe ranken. Auch hier merkt dein Gehirn, dass Blockaden auflösbar sind und überträgt das direkt auf die Blockaden deiner größeren Aufgabe.

Also, wenn du das nächste Mal vor der Prüfung beginnst, deine Pflanzen nach Wasserbedarf zu sortieren, oder alle Kalender und Uhren im Haus auf das passende Datum bzw. die korrekte Uhrzeit einzustellen, dann behalte im Kopf, dass es dir hilft, am Ende weniger heftige Blockaden überwinden zu müssen, um mit dem Lernen anzufangen. Und falls du merkst, dass du noch den extra Schubser brauchst, dann probiere doch mal Journaling aus und schreib dir von der Seele, wieso du nicht anfangen willst.

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