BRÜCKEN BAUEN

Wir sind geprägt von Nähe und Distanz, auf emotionaler und körperlicher Ebene. Momentan fällt uns das besonders auf. „Social Distancing“: Abstand halten ist das Gebot der Stunde.

Jetzt wird uns auch bewusst, wie sich Nähe und vor allem fehlende Nähe auf uns auswirkt und wie ambivalent diese Thematik ist.

Einerseits ist es gut, räumliche Distanz zu schaffen zu anderen Menschen, um zum Beispiel eine Ansteckung zu vermeiden oder weil jeder manchmal einfach ein bisschen Zeit für sich braucht. Andererseits ist es schade, dass manchmal die Nähe zu Anderen fehlt.

Und um Nähe zu schaffen und Distanzen zu überwinden, finden die Menschen viele neue Wege.

Um sich einander näher zu fühlen, nutzen viele Menschen Videokonferenzen und telefonieren häufiger. Manche schreiben sogar wieder Briefe und Postkarten.

Anders ausgedrückt: wir versuchen, diese Distanz zu überbrücken – Brücken zu bauen im übertragenen Sinne.

Gott hilft uns dabei Brücken zu bauen, Nähe zu schaffen und Distanzen zu überwinden.

In der Bibel selbst kommt das Wort „Brücke“ nicht vor, jedoch findet sich im neuen Testament eine Stelle, die zeigt, wie Gott durch Jesus sinnbildlich eine Brücke zu den Menschen gebaut hat:

„Jesus spricht zu [Simon Petrus]: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Johannes, 14,6).

So hat Gott uns geholfen, eine Brücke zu ihm zu bauen.
Er kann uns aber auch helfen, Brücken zu anderen Menschen zu bauen.

Die Bibel erinnert uns zum Beispiel mit den 10 Geboten daran, wie wir uns verhalten sollen, damit wir Brücken zu unseren Mitmenschen erbauen können: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Doch nicht immer ist Brücken bauen leicht. Manchmal ist es eine echte Herausforderung und jeder muss sich überwinden.

Wer sich zum Beispiel im Streit mit einem_r Freund_in emotional voneinander entfernt, muss sich überwinden, das Gespräch zu suchen um sich wieder zu versöhnen, auch wenn das bedeutet, sich zu entschuldigen und eigene Fehler einzusehen.

Und manchmal fühle ich mich vielleicht von Gott weit weg, weil ich etwas Schlimmes getan habe und mich schlecht fühle, weil ich weiß, dass Gott nicht gefällt, wie ich gehandelt habe. Oder wenn ich so viel Leid in der Welt sehe und mich frage, wie ein barmherziger Gott das zulassen kann.

In solchen Momenten stehe ich vielleicht vor der Brücke und sie scheint mir ewig lange, als wäre die andere Seite weit weit weg.

Mithilfe von Gebeten oder indem man sich mit anderen Christ_innen austauscht, gelingt es leichter, solche Herausforderungen zu meistern und wieder Nähe zu schaffen.

Aber das Tolle an Brücken ist: sie sind da und jeder kann über sie gehen, sobald man soweit ist, aber es ist kein Muss. Vielmehr eine Einladung, Gottes Einladung an uns seine Brücke zu nutzen.

Aber wenn ich so weit bin, dann weiß ich, dass ich über die Brücke mit Gott gehen kann.

Wenn ich anderen nah sein möchte, kann ich dann eine Brücke zu ihnen bauen, aber wenn ich gerade Abstand brauche, dann bleibe ich auf meinem Ufer stehen und winke eben freundlich aus der Ferne.

Jasmin Leib

 

 

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