Weihnachtsgeschichte Part 1:

“Es ist also schon wieder soweit. Die lästigen Weihnachtsbeleuchtungen werden aufgehängt  und alle tun auf freundlich,  weil ja Weihnachten ist“ dachte Eric. In seiner Ein-Zimmer-Wohnung im sechsten Stock seines Plattenbaus stand er am Fenster, trank seinen Kaffee in einem Zug aus und setzte sich dann wieder vor die Sportschau. Eric war 28 Jahre alt und was man nach heutigen Verhältnissen als introvertiert beschreiben würde. Ihn interessierte weder Weihnachten, noch ein anderes Fest, noch nicht mal seinen Geburtstag feierte er. Er konnte nicht sagen warum genau, aber er hasste es, wenn Menschen ihm Frohe Weihnachten oder Frohe Ostern wünschten und ganz besonders hasste er es darüber zu reden. Ihm war es lieber alleine daheim zu sein, sich eine seiner sechs Schallplatten anzumachen und dem knacken und rauschen, gemischt mit Musik zuzuhören.

Er erzählte es keinem, wem auch,  aber Eric hatte oft  Angst. Angst vor dem nächsten Tag und Angst davor aufzustehen und wieder und wieder denselben Tag zu erleben. Er wollte schon lange etwas verändern, doch konnte sich einfach nicht aufraffen und versank jedes Mal noch tiefer in seinem Loch.

Auch diesen Morgen hatte Eric Angst. Wie immer klingelte um halb sieben der Wecker und „Happy Together“ von den Turtles unterbrach seinen eh schon unruhigen Schlaf.  Aufstehen, Frühstücken, Anziehen.  Zur Arbeit gehen und wieder mit seinem alten Rennrad zurückfahren war alles, was sein Leben bestimmte.

Auf der Arbeit wurde Eric direkt mit dem Satz „Na, schon wieder erster Dezember! Dieses Jahr ging aber schnell vorbei, oder?“ begrüßt. Ein Satz den er nun schon zum vierten Jahr in Folge hörte. Bei seiner Arbeit als Lagerist bei einer Elektroartikelfirma hatte er keine Freude, war aber froh nicht viel mit Menschen zu tun zu haben.  Wie jeden Tag zählte er die Stunden: noch sechs Stunden bis Feierabend, nur noch drei Stunden, nur noch eine halbe Stunde… Feierabend!

In Gedanken vertieft machte Eric sich wieder auf den Weg nach Hause. Er kannte den Weg fast schon zu gut, dachte er. Und wie aus einem Impuls bog er diesmal etwas früher ab, in eine Seitenstraße nahe seiner Wohnung und versuchte einen neuen Weg zu sich nach Hause zu finden.

Doch so weit kam er nicht. Einmal nicht aufgepasst und nach ein paar hundert Metern in der Seitenstraße übersah er eine Eisplatte auf dem Weg, die Räder seines Rennrads schlitterten zur Seite und er lag auf dem Boden. Er konnte sich wieder Aufrappeln, doch ihm wurde schnell schwindelig, seine Sicht verschwamm und alles wurde schwarz…

 

-Elias P.

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