Weihnachtsgeschichte Part 4:

 

Eric drehte sich um, um Jana den Zettel wieder zu geben, doch sie war verschwunden. Überrascht und enttäuscht beschloss er, erst einmal zurück nach Hause zu fahren und zu versuchen, Jana den Zettel auf anderem Weg zurück zu geben.

Die nächsten Tage konnte er seinen Feierabend noch weniger abwarten als bisher. Aber nicht, weil er die Arbeit so schlimm fand. Im Gegenteil, er genoss es inzwischen, mit seinen Kollegen zu spaßen und er ertappte sich sogar dabei, die Melodie von „Last Christmas“ mitzusummen, als das Lied im Radio kam. Nein, Eric fieberte dem Feierabend entgegen, um wieder an seiner alten Schule vorbeizufahren. Nicht wegen der Schulnostalgie, sondern wegen Jana. Jeden Tag hoffte er, ihr ihren Zettel wiedergeben zu können, den er getrocknet hatte und den er jetzt immer in seiner rechten Hosentasche aufbewahrte. Und jeden Tag wuchs seine Enttäuschung darüber, dass er ihr das Blatt nicht zurückgeben konnte. Dass er eigentlich darüber enttäuscht war, Jana nicht wiederzusehen, gestand er sich nur widerstrebend ein. Aber es stimmte, er wollte sie gerne noch einmal treffen. Ab und zu ertappte er sich sogar bei einem Tagtraum über sie. Dann wurde er ein wenig rot, lächelte schüchtern und kontrollierte, ob das Blatt noch am richtigen Platz war.

Doch je öfter er nach Hause fuhr, und je öfter seine Erwartung Jana zu sehen enttäuscht wurde, desto weniger zuversichtlich wurde er. Seine gute Stimmung, ausgelöst durch das Treffen mit Jana, wurde so sehr getrübt, dass er sogar vergaß das zwanzigste Türchen seines Adventskalenders zu öffnen, und auch sein neuer Lieblingskollege konnte ihn nicht aufheitern. Lustlos fuhr Eric nach Hause, zu allem Überfluss hatte es jetzt auch noch angefangen zu schneien. Mürrisch und verfroren kam er an der Schule vorbei. Er wollte gar nicht erst nach Jana Ausschau halten, doch einem Instinkt nach schaute er zum Eingang. Genauer gesagt davor, denn auf der Treppe stand Jana!

Schneller als er Last Christmas sagen konnte, war Eric vom Fahrrad gestiegen und sprintete auf Jana zu. Er wollte sie auf keinen Fall verpassen. Ihm war es egal, dass er aussehen musste wie ein totaler Irrer. „Jana!“ rief er. Verwirrt schaute sie sich um. Noch einmal rief er und dieses Mal entdeckte sie ihn. „Eric“ sagte sie lächelnd „was machst du denn hier?“. Völlig aus der Puste, im Sprinten war er noch nie gut gewesen, konnte er nur „Dein…Zettel“ und „…mitgenommen“ stammeln, bevor er das Blatt aus der Hosentasche zog und es Jana gab.

Überrascht blickte sie auf den Zettel in ihrer Hand. „Mein Einkaufszettel, ich hatte mich schon gefragt, wo der war. Superlieb das du mir den mitgebracht hast aber ehrlich gesagt hab ich die Sachen so schon eingekauft. Wenn man Weihnachten allein verbringt, dann braucht man nicht so viel. Du hättest ihn wegschmeißen können.“ Jetzt hatte sich Eric wieder von seinem Sprint erholt und musste lachen. „Ich hätte dir doch nicht einfach deinen Einkaufszettel klauen können! Ich hätte nachts nicht mehr schlafen können!“ .Das entlockte auch Jana ein Lachen und einer Eingebung nach fragte er: „Sag mal, hast du vielleicht Lust einen Kaffee trinken zu gehen?“ und nach einem Blick in Janas Gesicht schob er gleich noch hinterher „Oder auch nicht. Du musst wahrscheinlich eh nach Hause“. Beschämt dachte er Was ist bloß mit mir los. Aber zu seinem Erstaunen willigte Jana ein. „Super gerne“, sagte sie „Ich hab eh meinen Bus verpasst und der Nächste hat Verspätung.“

Jana hatte ein Café vorgeschlagen und Eric musste kurz erstaunt lachen, denn sie standen vor Christines Allesladen. Im Laden standen ein paar Tische und es gab Plätzchen, Kaffee und Tee, was Eric bei seinem ersten Besuch gar nicht aufgefallen war. Sie suchten sich den schönsten Tisch aus und bestellten. Dann unterhielten sie sich, über mehr als Eric wusste, dass man sich unterhalten konnte. Sie redeten so lange, dass Jana den nächsten und übernächsten Bus verpasste. Und sie hätten noch weitermachen können, doch Christine, die Ladenbesitzerin, die für die beiden den Laden ohnehin schon länger offenhielt, musste schließen. Also verabschiedeten sich Eric und Jana, aber nicht ohne Nummern ausgetauscht zu haben.

Auf dem Heimweg konnte Eric gar nicht aufhören zu lächeln. Sein Grinsen hielt sogar noch an, bis er in seine Wohnung kam, wo sein erster Blick auf das ungeöffnete zwanzigste Kalendertürchen viel. Beflügelt von seinem Abend öffnete er das Türchen und sein Lächeln wurde sogar noch breiter als er seine Aufgabe las: Trinke einen Kaffee mit einem/einer Fremden.

 

-Sarah U.

 

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