Weihnachtsgeschichte Part 3:

 

Jeden Tag wartete nun eine neue Aufgabe auf Eric, und mit jedem Tag wurde die Angst, die Eric vor dem Weihnachtsabend hatte, geringer. Durch die kleinen Aufträge und Sprüche hinter den Kalendertürchen freute sich Eric nun jeden Abend auf den nächsten Morgen, aus Turtles, Kaffee und Türchenöffnen wurde ein richtiges Ritual.

Schade war nur, dass Eric niemanden hatte, mit dem er über seinen Adventskalender sprechen konnte, niemanden, den er von seiner neuen Lebenslust erzählen konnte. Zu den paar Freunden, die er noch aus der Schulzeit hatte, war der Kontakt Jahr für Jahr weniger geworden und mittlerweile fast ganz abgebrochen. Dass ihm diese, wenn auch spärlichen, Kontakte fehlten, merkte Eric erst jetzt, wo er ein kleinbisschen aus seinem täglichen Trott ausbrach.

Darüber hatte sich Eric bei einer Flasche schlechten Weins am letzten Abend bis weit in die Nacht hinein Gedanken gemacht. Mit entsprechenden Kopfschmerzen und extrastarkem Kaffee öffnete er nun das mittlerweile fünfzehnte Türchen.  Dort stand: „Sprich eine wildfremde Person an“.
Das Sprechen mit anderen Menschen als seinen Kollegen fiel Eric mittlerweile wirklich schwer, es entwickelte sich einfach kein Gespräch, und oft wurde er komisch angeschaut.
„Das kann ja heiter werden“, grummelte Eric, „ausgerechnet heute so eine Aufgabe“. Er zog die Tür hinter sich zu, schwang sich auf sein Rad und trat in die Pedale.

Den Arbeitstag hatte Eric mühsam hinter sich gebracht. Immer wieder wollte er jemanden ansprechen, aber die Situation erschien ihm meist unpassend, er war gerade dabei zu essen oder er war zu beschäftigt im Lager, schlicht: er konnte seinen Schweinehund nicht überwinden.

Frustriert über sich selbst machte sich Eric auf den Weg nach Hause. Er fuhr an der Abzweigung, in der er den Adventskalender gekauft hatte, vorbei, dann an der Grundschule, die auch er schon als Kind besucht hatte. Auf der anderen Straßenseite sah er eine junge Frau etwa in seinem Alter aus dem Gebäude kommen, eskortiert von einer Gruppe Kinder mit viel zu großen Rucksäcken. Eines der Kinder war ein bisschen zu stürmisch, und prompt verteilten sich die Unterlagen, die die Frau unter dem Arm trug, auf dem Boden.
Seinem Instinkt widersprechend, einfach weiterzufahren, dachte Eric an seine heutige Aufgabe, wechselte die Straßenseite, und fragte: „Hallo, darf ich dir beim Aufsammeln der Unterlagen helfen?“
„Ach, das wäre wirklich lieb, ich bin aber auch ein Schussel, ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht…“, antwortete sie aufgelöst.

Nachdem sie gemeinsam die Hefte und Blätter aufgesammelt hatten, entspann sich ein kurzes, sehr nettes Gespräch zwischen den beiden. Die junge Frau, die sich als Jana vorgestellt hatte, bedankte sich und Eric verabschiedete sich mit klopfendem Herzen. Als er wieder auf sein Rad steigen wollte, fiel ihm ein durchnässter Zettel auf, der noch an seiner Schuhsohle klebte…

 

-Florian E.

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