Zukunft – Müssen wir radikal verändern oder in kleinen Schritten wirken?

Es ist Zeit, aufzuwachen – Cornelia Säckl

Wenn ihr mich fragt, wird es höchste Zeit aufzuwachen. Viel zu lange schiebt die Politik wichtige Themen vor sich her – und genauso tut es auch unsere Gesellschaft.

Themen, wie der Rechtsruck in unserer Gesellschaft oder der Klimawandel, sind Paradebeispiele dafür, dass wir es viel zu oft versäumen, frühzeitig zu handeln. Deshalb bleibt uns häufig keine andere Wahl mehr, als uns radikal anzupassen.

Etwas genauer zum oben genannten Thema „Klimaschutz“:

Seit Januar 2019 streikt die Gruppierung ‚’Fridays for future’ schon hier in Augsburg. In anderen Städten sogar noch länger. Allen ist bewusst, dass wir nicht mehr lange Zeit haben. Trotzdem wird das politische Handeln nicht genug an den Klimawandel angepasst. Da ist es natürlich klar, dass die Formen des Aktivismus von Klimaschützer*innen immer lauter, radikaler und provokanter werden. (Klimacamp, Besetzung Dannenröder Wald) Dies ist leider notwendig, denn die Zeit rennt uns davon.
Vor ein paar Jahrzehnten wäre der Zeitpunkt gewesen, sich in kleinen Schritten umzustellen. Das hat man auch getan. Doch leider sind die Schritte, die gegangen wurden und werden, zu klein im Vergleich zu der rasanten Entwicklung des Klimas.
Wir haben ein 2-Grad-Ziel, und wenn wir dieses einhalten wollen, müssen wir jetzt radikale Handlungsformen ergreifen – sowohl die Politik als auch jede*r Einzelne von uns.

Ich hoffe, wir nehmen uns ein Beispiel an den Aktionsformen der Aktivist*innen und werden, ähnlich wie sie, in unserem Handeln radikaler.

 

Cornelia Säckl sieht die Protestformen von Aktivist*innen als Vorbild und ruft zu radikalerer Veränderung auf. Bis August 2020 war Sie FSJlerin im Jugendwerk.

 

 

Nähe wird zur wertlosen Massenware –
Lukas Wöhrle

Ich glaube, Veränderung erreicht man am nachhaltigsten, wenn in kleinen Schritten das System an sich angepasst wird. Schnelle Maßnahmen sind natürlich charmant. Ein großer Schnitt in Sachen Rassismus in der Polizei, wie es in den USA gerade gefordert wird („Defund the police“), oder auch ein generelles Fahrverbot für Autos in Städten, sprechen nicht ohne Grund viele Menschen an. Es klingt einfach, es klingt leicht umsetzbar und es verspricht vielleicht einen schnellen Erfolg im Lösen der aktuellen Probleme.

Doch das ist ein Trugschluss. Meine Meinung ist, dass eine radikale Verhaltensanpassung nur zur Scheinlösung der Probleme führt.

Dazu ein kleines Gedankenspiel:

 

Bestimmt hast du schon mal (oder kennst jemanden, der*die)  versucht, gesünder zu leben und fit zu werden. Am Anfang passt du dein Verhalten schnell an, machst vier Mal in der Woche Sport und stellst deine Ernährung radikal um. Klappt das? Nein.

Genauso ging es mir bei meinem Bestreben, vegetarisch zu essen und plastikfrei zu leben. Am Anfang stieg ich voller Elan in diese Veränderung ein. Ich aß von einem Tag auf den anderen kein Fleisch mehr und verzichtete auf alles, was auch nur ein Quäntchen in Plastik verpackt war. Das war aber, wie dir, werte_r Leser_in, wahrscheinlich klar ist, zum Scheitern verurteilt. Wahrscheinlich fallen dir noch viele weitere solche Situationen ein, in denen wir radikal gestartet sind und uns nur scheinangepasst haben.

Fruchten wird jeder Veränderungsprozess nur, wenn sich die Einstellung der Menschen, ihre Werte und Überzeugungen, ändern. Erreicht werden kann das nur dadurch, dass wir unseren eigenen Standpunkt immer wieder hinterfragen und uns in kleinen, leicht verdaulichen Schritten an die neue Wirklichkeit anpassen.

Lukas Wöhrle setzt sich für Formen nachhaltiger Veränderung ein. Er ist Mitglied der Dekanatsjugendkammer und studiert Soziale Arbeit in Augsburg.

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