In der neunten Woche

Eine lange Zeit liegt hinter uns und eine Ungewisse vor uns. Vor nunmehr 9 Wochen mussten wir unsere Tore zum Lehmbau schließen, wegen eines infektiösen Partikels namens SARS-CoV-2, allgemein bekannt als Coronavirus. Ich möchte hier keine weitere Diskussion oder Abhandlung über das Virus abliefern, oder über den Sinn oder Unsinn der vorgenommenen Maßnahmen, sondern euch und Ihnen einfach erzählen, wie es uns, also den Menschen, die im Lehmbau arbeiten, den Tieren, die von uns versorgt werden und den Pflanzen, die bei uns wachsen, bis heute ergangen ist und was uns bewegt.

Das Kinder-und Jugendhaus Lehmbau der EJ Augsburg ist ein Begegnungs-, Lern- und Erfahrungsort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das wichtigste an einem gemeinsamen Erleben ist die persönliche Beziehung, die persönliche Kommunikation, die persönliche Interaktion und die persönliche Auseinandersetzung. All das brauchen wir Menschen und auch die Tiere, das macht uns zu sozialen Geschöpfen und gehört zu unseren Grundbedürfnissen. Bis vor 9 Wochen war dieses Miteinander das natürlichste und selbstverständlichste im gegenseitigen Umgang und in der Ausgestaltung unserer Angebote, Ferienprojekte, Veranstaltungen und Kooperationen. Wir haben gemeinsam geplant, Geschichten erfunden, gehämmert, gesägt, Spreißel aus Fingern gezogen, Feuer gemacht, Stühle, Bänke und Hütten gebaut, Musik gemacht, gebacken, gekocht, die Liste könnte endlos so weiter gehen.

Dazu haben wir unsere Köpfe zusammengesteckt, weil es wichtig war, wenn eine/r getröstet werden musste, weil es wichtig war, um gemeinsam etwas auszuhecken und weil es wichtig war, wenn eine/r Hilfe benötigte. Das ist in dieser Form für einen uns noch nicht bekannten Zeitraum nicht mehr möglich.

Nachdem wir den Mittwoch nachmittags stattfindenden offenen Kindertreff, den täglich mitwirkenden Tierfreunden abgesagt und den Jugendtreff eingestellt hatten, mussten wir uns neu organisieren. Tierversorgungszeiten wurden neu eingeteilt und geplante Ferienprogramme, wie das inklusive Osterprojekt und das inklusive Pfingstprojekt wurden gestrichen. Danach haben wir uns zusammengesetzt und nachgedacht – Was können wir für und mit euch tun, ohne einen persönlichen Kontakt? – Mediale Angebote, wie Filme drehen, Quizrunden und Spiele via zoom, skype oder teams, oder auch Fotoreportagen für Bastelanleitungen fanden statt und finden noch statt. Der Zaun, der unser Gelände umgibt, wird bunter und bunter. Wir hängen regelmäßig neue Anregungen gegen Langeweile daran. Außerdem nutzen wir die Zeit, um Reparaturen durchzuführen, Liegengebliebenes neu zu ordnen und unsere Wiese frisch zu begrünen. Zurzeit überlegen wir uns Inhalte für die Sommerferien, ob analog oder digital, wir werden es in unseren Schubladen haben.

Abschließend möchte ich, auch im Namen aller Lehmbaumitarbeiter, positiv in die Zukunft blicken und uns allen Mut machen, daran zu glauben, dass wir diese, in dieser Form noch niedagewesene Krise überwinden werden, um uns danach wieder persönlich zu begegnen. Das haben wir, denke ich, durch Videokonferenzen, Homeoffice Zeiten und Online Beschulungen gespürt. Die persönliche Begegnung, der soziale Kontakt, die Natur unter den Füßen spüren, das ist das, was wir brauchen, sonst verarmen wir.

Wir vermissen euch und Sie und freuen uns, euch und Sie wieder zu sehen!

 

Herzliche Grüße Von Anke Abel und dem ganzen Lehmbau Team

Anke Abel

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